Die Corona-Pandemie hat unseren Alltag und unser Arbeitsleben verändert. Diese rasante Veränderung fordert stärker die Entwicklung der Digitalisierung. Beispielsweise können wir unsere Jobs im Home Office verrichten und der persönliche Kontakt mit KundInnen und KollegInnen wird über Telefonate und Videokonferenzen aufrechterhalten. Diese Zeit beflügelt den Weg der Veränderung. Dabei spielt das Jahr 2020 auch so schon eine besondere Rolle für das Berufsfeld im Bankwesen. Nach mehr als 20 Jahren wurde das Berufsbild der Bankkauffrau bzw. des Bankkaufmanns entscheidend reformiert. Es wird digitaler, transparenter, kunden- und praxisorientierter!

Wir legen den Fokus auf diejenigen, die sich aktuell in einer Ausbildung als „Bankkaufmann / Bankkauffrau“ befinden. Dazu sind wir mit den Bankauszubildenden Sisindra Senaratna (2. Lehrjahr, kurz vor der Prüfung) und Lucas Becker (1. Lehrjahr) der vr bank Untertaunus ins Gespräch gegangen, wie sie ihre Ausbildung bisher wahrnehmen, was sich verändert und wie die derzeitige Krise Einfluss auf ihre Ausbildung nimmt.

Können Sie sich uns bitte kurz vorstellen? Wie alt sind Sie? Wo kommen Sie her? Was interessiert Sie privat?

Mein Name ist Sisindra Senaratna. Ich bin 26 Jahre alt und komme aus Aarbergen, einer kleinen Gemeinde in Hessen. In meiner Freizeit bin ich in einer Showtanzgruppe aktiv, arbeite nebenbei in einem Aushilfsjob und unternehme gerne etwas mit Freunden.

 

Ich bin Lucas Becker, 19 Jahre alt und wohne in Bad Camberg. Ursprünglich komme ich aus Bremen, bin aber vor ca. drei Jahren nach Hessen gezogen. In meiner Freizeit gehe ich oft ins Fitnessstudio oder treffe mich mit Freunden.

 

Warum haben Sie sich für eine Ausbildung zum Bankkaufmann/zur Bankkaufrau entschieden?

Sisindra Senaratna: Ich habe mich für die Ausbildung zur Bankkauffrau entschieden, da ich mich für das Finanzwesen interessiere und in meinem zukünftigen Beruf mit Kunden zusammenarbeiten möchte.

Lucas Becker: Ich habe mich für die Ausbildung zum Bankkaufmann entschieden, da ich eine große Faszination für die Finanzmärkte und deren Einfluss auf unser Leben habe. Ich möchte mit der Ausbildung eine Grundlage schaffen, auf welcher ich später aufbauen kann. Des Weiteren möchte ich anderen Menschen bei der Lösung von Problemen helfen und diese optimal zu Finanzthemen beraten.

Welche Erwartungen hatten Sie vor Beginn Ihrer Ausbildung und haben sich diese bisher erfüllt?

Lucas Becker: Vor Beginn der Ausbildung hatte ich die Erwartung, dass ich in den Praxisphasen viel eingebunden werde und ich möglichst viele Abteilungen durchlaufe, um einen Überblick über die verschiedenen Aufgaben der einzelnen Bereiche zu erlangen. In meiner bisherigen Zeit in der Ausbildung haben sich diese Erwartungen vollkommen erfüllt. Ich wurde immer nett in den verschiedenen Abteilungen empfangen und konnte viel mitarbeiten und lernen.

Sisindra Senaratna: Meine Erwartungen lagen vor allem darin, mehr über die Felder des Finanzwesens zu erfahren und zu lernen, so zum Beispiel im Anlage- oder Kreditbereich. Außerdem wollte ich einen Einblick in die verschiedenen Abteilungen einer Bank und deren Arbeitsalltag bekommen. Diese Erwartungen haben sich während meiner Ausbildung durch die Berufsschule, die Seminare und die Praxisphasen komplett erfüllt.

Wo liegt der Schwerpunkt Ihrer Ausbildung?
In welchen Abteilungen waren Sie bisher und was haben Sie dort lernen können?

Lucas Becker: In meiner bisherigen Ausbildungszeit war ich in den Abteilungen „Kundenservice“, „Elektronische Bankdienstleistungen (EBL)“ und dem „Firmenkundenbereich“ eingesetzt. Während meiner Zeit im Kundenservice habe ich viele Grundlagen für das alltägliche Bankgeschäft erlernt und das Wissen aus der Berufsschule in der Praxis angewendet. In der EBL-Abteilung wurden mir die wichtigsten Produkte der Bank im Bereich Onlinebanking gezeigt. Mit dem dort erworbenen Wissen konnte ich schon einigen Kunden im Onlinebanking weiterhelfen. Derzeit bin ich in der Firmenkundenabteilung eingesetzt. Diese Abteilung ist aufgrund der Corona-Pandemie sehr spannend, da eine erhöhte Kreditnachfrage besteht. Hier unterstütze ich die Berater und Assistenten so gut wie möglich, um ihnen in dieser schweren Zeit zu helfen.

Sisindra Senaratna: In der Ausbildung bei der vr bank Untertaunus durchlaufen wir alle Abteilungen der Bank – von den Firmenkunden, über die Baufinanzierungsberater bis hin zur IT-Abteilung. In jeder Abteilung konnte ich Einblicke in den Arbeitsalltag der Kollegen bekommen, deren Aufgaben kennenlernen und viele Fragen über die Praxis stellen, die in der Berufsschule unbeantwortet blieben. Der Schwerpunkt liegt dann aber doch im Beratungsbereich, also in der Zusammenarbeit mit Kunden. Hier habe ich sowohl im Service als auch bei den Privat- oder Firmenkundenberatern gelernt, wie ich als Bankkauffrau mit Kunden umgehe und diese in Finanzangelegenheiten beraten kann.

Die vr bank Untertaunus bildet auch in schwierigen Zeiten Bankazubis aus.

Was macht die Ausbildung im Bankenbereich so besonders? Wie digitalisiert sich die Bank?
Wo gibt es spannende Veränderungen, die vor einem Jahr noch undenkbar waren?

Sisindra Senaratna: Das Besondere an der Ausbildung ist, dass man von vorneherein, je nach Abteilung, nah am Kunden ist und mit den Kollegen zusammen den Praxisalltag nahegebracht bekommt. Auch die vr bank Untertaunus bewegt sich mit großen Schritten im Bereich Digitalisierung vorwärts. Onlinebanking oder virtuelle Beratungsgespräche werden stets weiterentwickelt und verbessert. Vor einem Jahr hätte sich wahrscheinlich keiner vorgestellt, Beratungsgespräche über „GoToMeeting“ abzuwickeln und den Kunden online über Finanzdienstleistungen zu beraten.

Lucas Becker: Meiner Meinung nach ist eine Ausbildung im Bankenbereich eine sehr solide Ausbildung, da man auf dieser sehr gut aufbauen kann und sich in verschiedene Richtungen weiterentwickeln kann. Des Weiteren ist eine Ausbildung zur Bankkauffrau oder zum Bankkaufmann auch für die alltäglichen Herausforderungen eine echte Bereicherung. Ich lerne wichtige Sachen, die mir in meinem Leben sehr weiterhelfen. Das Lesen von Bilanzen, die Kenntnisse im Zahlungsverkehr oder das Wissen über die verschiedenen Anlagemöglichkeiten am Finanzmarkt sind wichtige Fertigkeiten, die ich als Bankkaufmann erlerne und nutze. Die Digitalisierung ist in meiner Bank im vollen Gange. Es wird stetig daran gearbeitet, die Onlinepräsenz auszubauen und dem Kunden die Möglichkeit zu geben, auch von zuhause seine Bankgeschäfte zu erledigen. Auch abseits des Onlinebankings ist unsere Bank digital gut aufgestellt. Bei Beratungsterminen werden iPads eingesetzt, um den Kunden in der persönlichen Beratung bestimmte Sachverhalte anschaulicher darzustellen. Neben der Beratung vor Ort ist auch die Beratung per Telefon oder Computer möglich. Außerdem können Kunden seit Ende April ohne Karte Bargeld am Automaten abheben. Dafür benötigen die Kunden nur ihr Smartphone. Diese Funktion war für mich vor einem Jahr noch undenkbar.

Welche positiven Impulse nehmen Sie durch die Corona-Krise in Ihrer Bank wahr?
Können Sie vom „normalen“ Bank-Alltag sprechen? Wie hat sich dieser verändert?

Sisindra Senaratna: Digitale Leistungen werden durch die Krise sowohl von Mitarbeitern als auch von Kunden besser angenommen. Dadurch, dass man dem Ganzen jetzt eher eine Chance geben muss, erkennen die meisten Kunden und Mitarbeiter relativ schnell auch die Vorteile darin. Der Bank-Alltag hat sich für mich als „Azubine“ dahingehend verändert, dass ich durch die Krise das Team Kundenservice verstärkt unterstütze. Daher sehe ich meine Zeit vor der Prüfung aktuell als Einarbeitung in den Servicebereich – und ich muss sagen, ich habe in den letzten Wochen viel dazugelernt und fühle mich jetzt wesentlich fitter für meine Zeit nach der Prüfung, in der ich dann auch im Kundenservice tätig sein werde.

Lucas Becker: Unsere Kunden schätzen, dass wir in der derzeitigen Situation digital sehr gut aufgestellt sind und trotz der Beschränkungen vollumfänglich genossenschaftlich beraten. Auch durch unser Auftreten in den sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram kommen wir bei unseren Kunden gut an. Hier informieren wir über aktuelle Themen und Erneuerungen im Bankensektor und zeigen unser Engagement in der Region. Der Alltag in der Bank hat sich durch die Corona-Pandemie stark verändert. Dies ist vor allem in den Filialen zu spüren, wo weniger Kundenverkehr ist. Hier ist ein persönlicher Termin mit dem Kunden nicht möglich, weshalb die Beratung digital durchgeführt wird. Manche Kollegen haben den Bankalltag von zuhause erlebt, was für die Kollegen eine neue Erfahrung ist. Durch die Schutzbestimmungen können wir nicht von einem normalen Bankalltag reden. Wir müssen mehr Abstand halten und gegebenenfalls einen Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn wir mit unseren Kunden im Kontakt sind.

Wenn Sie dieses Jahr Ihre Prüfung machen: Welche Rolle spielt die aktuelle Situation?

Sisindra Senaratna: Durch die aktuelle Situation hat sich unsere Abschlussprüfung von Ende April auf Ende Juni verschoben. Das war schon schwierig, da wir uns seit Januar durch die Seminare und eigenständiges Lernen auf die Prüfung vorbereiten. Anfangs war es daher schon sehr ernüchternd, solche Neuigkeiten zu hören. Als dann die Nachricht kam, dass die mündliche Prüfung ebenfalls im Juni stattfinden wird, war der Schock noch größer. Auf das „doppelte Lernen“, also für die schriftliche und die mündliche Prüfung gleichzeitig, waren wir nicht vorbereitet. Dennoch muss man die Situationen nehmen wie sie kommen – deshalb versuchen wir das Positive wahrzunehmen, und freuen uns sagen zu können, dass wir mit aller Wahrscheinlichkeit gegen Ende Juni mit den Prüfungen durch sein werden. Und daher heißt es jetzt: Zähne zusammenbeißen und lernen.

Vor welchen Herausforderungen steht man während der Ausbildung im Bankwesen?
Wie wird sich dies durch die Reformierung des Berufsbildes verändern?

Lucas Becker: Generell steht der Bankbereich vor schwierigen Herausforderungen. Die drei größten Herausforderungen sind die Digitalisierung, die Überregulierung und die Niedrigzinsphase. Zudem sind die Genossenschaftsbanken von einem schrumpfenden Filialnetz in den ländlichen Geschäftsgebieten betroffen. Es ist wichtig, dass wir als zukünftige Bankkaufleute diese Herausforderungen meistern und für ein ansprechendes Berufsbild sorgen. Dies wird durch die Reformierung erreicht.

Sisindra Senaratna: Eine der größeren Herausforderungen im Bankwesen ist es, bei den digitalen Veränderungen stets auf dem Laufenden zu bleiben und diese auch dem Kunden verständlich erklären zu können. Auch die rechtlichen Grundlagen zu lernen und abrufen zu können, wenn man sie braucht, ist eine der schwierigeren Dinge während der Ausbildung. Ich denke, dass das auch in Zukunft so bleiben wird. Aber wenn man neugierig bleibt und sich auf dem Laufenden hält, kann man mit diesen Herausforderungen gut klarkommen.

Wie stellen Sie sich die „neue Bank“ nach der Krise vor?
Oder bleibt alles beim Alten? Gibt es beispielweise mehr digitale Kommunikationsformen?

Lucas Becker: Die „neue Bank“ nach der Krise ist in meinen Augen eine Bank, welche digital als auch sicher aufgestellt ist. Sie verliert dennoch nicht den persönlichen Kontakt mit dem Kunden vor Ort. In den Beratungsgesprächen sollten digitale Medien genutzt werden. Damit würden wir nicht nur anschaulicher beraten, sondern auch Papier sparen. Die Präsenz in den sozialen Medien ist wichtig, damit neue, aber auch bestehende Kunden Informationen von ihrer Bank erhalten und über aktuelle Veränderungen informiert werden. Die Bank nach der Krise sollte in der Lage sein, Kunden zu beraten, welche nicht vor Ort sind. Hier könnte man eine Beratung per Videokonferenz durchführen. In meinen Augen ist unsere Bank auf einem sehr guten Weg, diese „neue Bank“ zu werden.

Sisindra Senaratna: Ich denke und hoffe, dass es während der Krise und natürlich auch danach, noch weiter in Richtung Digitalisierung laufen wird. Man hat während den ersten Wochen gesehen, wie viele digitale Möglichkeiten es gibt und wie schnell man auf diese umstellen kann, wenn man es muss. Jetzt heißt es, diese auszuarbeiten und weiter zu verbessern.

Was nehmen Sie aus dieser Krise mit? Was können Sie anderen Auszubildenden empfehlen?

Sisindra Senaratna: Bleibt positiv! Als erster Jahrgang unserer Bank, der unter solchen Bedingungen die Ausbildung macht, kann ich sagen: Es gibt für alles eine Lösung. Sich durch Situationen deprimieren zu lassen, an denen man nichts ändern kann, bringt absolut gar nichts. Man darf sich aufregen, man darf auch schimpfen, aber danach ist es wichtig, Lösungen zu finden und nicht aufzugeben. Aktuell habe ich die Prüfung und damit die Ausbildung noch nicht hinter mir, aber ich bin mir sicher, dass ich das alles gut meistern werde, da ich auf die Hilfe meiner Kollegen und die Unterstützung durch die Bank zählen kann.

Lucas Becker: Die Krise hat gezeigt, wie wichtig die Digitalisierung, aber auch die schnelle Umstellung auf neue Gegebenheiten ist. Daher ist es wichtig, sich auch in Bereichen, die vielleicht nicht sehr spannend oder im ersten Augenblick nicht notwendig scheinen, trotzdem ein Grundwissen aufzubauen, um sich im Falle einer schnellen Umstellung anpassen zu können. Ich kann den anderen Auszubildenden noch nicht viel empfehlen, da ich erst im ersten Lehrjahr der Ausbildung bin. Dennoch möchte ich ihnen mitgeben, dass die Kollegen immer für Fragen zur Verfügung stehen. Nur so könnt ihr euer Wissen erweitern und bekommt den richtigen Einblick in euren Einsatzbereich.

Vielen Dank für Ihre Zeit und die Beantwortung dieser Fragen!

 

Nachwuchsförderung – vernetzt mit next!

Die vr bank Untertaunus unterstützt Ihre Auszubildende mit dem deutschlandweiten Azubi-Netzwerk next. Hier können junge Talente mit ihren Idee voneinander lernen und gemeinsam wachsen. Hier erfahren Sie mehr.

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Was der DG VERLAG für seine Nachwuchskräfte macht, ist auf der DGV-Karriereseite oder auf YouTube zu sehen.

 

Titelbild: © vr bank Untertaunus